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Bewegendes Gedenken zum Suizidpräventionstag

Die Telefonseelsorge und ihr Förderverein luden zum Gottesdienst in die Marktkirche

Grupenbild vor der Marktkirche
Vor der Marktkirche in Essen vor Beginn der Gedenkfeier (v.l.): Chantal Abt (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention), Prädikantin Birgit Dinglinger, FETS-Vorsitzender Peter Toussaint, Dieter Schachta (Gruppe der Hinterbliebenen nach Suizid) und FETS-Vize Michael Denzin.

In einem bewegenden Gottesdienst in der Marktkirche gedachten am Mittwochabend (9.9.2026) 50 Besucherinnen und Besucher der Menschen, die im vergangenen Jahr durch Suizid verstorben sind – und sie sprachen deren Angehörigen Trost und Mut zu. Laut Statistik nimmt sich in Essen jede Woche ein Mensch das Leben.

Zur Gedenkfeier eingeladen hatten der Förderverein Essener Telefonseelsorge (FETS) und die Telefonseelsorge Essen, unterstützt durch die „U25 Gelsenkirchen“, die Jugendliche und junge Erwachsene in suizidalen Krisen betreut. „Suizid ist kein Thema, das irgendwo weit weg passiert“, sagte Michael Denzin vom FETS-Vorstand in seiner Begrüßung. Es betreffe vielmehr Menschen, die mitten unter uns sind, und Menschen, die einen anderen Menschen verloren haben. Denzin: „Zurück bleiben dann Trauer und Schmerz, Fragen und Zweifel und manchmal eine Leere, für die es keine Worte gibt.“

Der weltweit am 10. September begangene Suizid-Präventionstag will Wege aus dieser Sprachlosigkeit aufzeigen und Politik und Gesellschaft mahnen, sich stärker beim Thema Suizidprävention zu engagieren. Bei der Gedenkfeier in der Marktkirche, die von Prädikantin Birgit Dinglinger geleitet wurde, kamen auch Hinterbliebene zu Wort, die nahe Menschen durch Suizid verloren haben. Es gab Musik mit Saxofon und Klavier, eine Hinterbliebene trug ein Gedicht vor, und es wurden Kerzen für die Toten und ihre Angehörigen entzündet.

 

Publikum und Teilnehmer beim Fachforum auf der Zeche Zollverein
70 Besucherinnen und Besucher diskutierten auf der Zeche Zollverein über Suizidprävention bei jungen Menschen.

Am Donnerstag (10.9.) stand dann von 14 Uhr bis 17.30 Uhr ein Fachforum mit 70 Fachleuten und Interessierten auf der Zeche Zollverein auf dem Plan. Das Thema: „Suizidprävention bei jungen Menschen“. Auf dem Podium diskutierten: Susanne Abel, Leiterin der Essener Telefonseelsorge, Propst Markus Pottbäcker (ehemaliger Essener Jugendseelsorger), Alina Wiemann von der U25-Online-Suizidprävention, Chantal Abt von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, Suizidforscher Prof. Dr. Thomas Forkmann und die Landtagsabgeordnete Ilayda Bostancieri (Grüne). 

Mit im Forum diskutierte eine Mutter, die ihre Tochter durch Suizid verloren hat. Sie richtete massive Vorwürfe gegen Ärzte, Politik und Verwaltung. Am Ende der dreistündigen Veranstaltung waren sich alle in der Forderung einig: Gesellschaft und Politik müssen offener werden für das Tabu-Thema Suizid und mehr Angebote für Menschen in suizidalen Krisen schaffen und auf bestehende Angebote hinweisen. Es sei ein Skandal, dass Jugendliche in suizidalen Krisen sieben Monate auf einen Therapieplatz warten müssten.

Am Rande der Veranstaltung gab es „Gedichte aus der Schreibmaschine“ von Autor Niclas Arenz. Der Poet aus Köln schrieb für die Besuchenden auf seiner kleinen „Olympia“ pausenlos berührende Texte auf Zuruf. 

 

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